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Das Schicksal des „kleinen Uwe“: „Man darf halt nie den Mut verlieren“

Das Schicksal des „kleinen Uwe“: „Man darf halt nie den Mut verlieren“

Hinter einem 50 Jahre alten Foto aus einem Geschäftsbericht der Kreissparkasse Euskirchen verbirgt sich eine bewegende Geschichte – Udo Becker und Holger Glück zu Gast bei Familie Reder, für deren Sohn Uwe 1968 das 100.000ste Sparkonto eröffnet wurde und der mit 18 Jahren einen schweren Unfall erlitt

Mechernich-Kommern – Als der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Euskirchen (KSK), Udo Becker, Ende des vergangenen Jahres aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des Wochenspiegels Schleiden interviewt werden sollte, fragte er sich, was es wohl vor einem halben Jahrhundert bei der KSK Interessantes gegeben haben könnte. Um dies zu erforschen, blätterte er in 50 Jahre alten Geschäftsberichten. Dort fand er zunächst erwartungsgemäß viele Zahlen, doch schließlich auch ein Bild von einer jungen Familie, die für ihren neugeborenen Sohn Uwe soeben das 100.000ste Sparkonto im ältesten Kreditinstitut des Kreises eröffnet hatte und dafür vom damaligen Vorstand mit einem kleinen Präsent bedacht worden war.

Becker sinnierte, was „der kleine Uwe“, dessen Nachname im Bild nicht vermerkt worden war, wohl heute mache und brachte das Bild kurzerhand mit zum Interviewtermin. Da Uwe, genau wie der Wochenspiegel, 2018 seinen 50. Geburtstag feierte, bat Becker den Wochenspiegel, das 50 Jahre alte Foto aus dem KSK-Geschäftsbericht in seiner Jubiläumsausgabe zu veröffentlichen und Uwe, falls er noch lebe, sich zu melden, damit man ihm von Seiten der KSK noch nachträglich ein Geburtstagsgeschenk überreichen könne. Und dann hieß es warten.

 

Dieses Foto entstand 1968. Damals eröffneten Toni und Ute Reder für ihren Sohn Uwe zur Geburt ein Sparkonto. Es war das Hunderttausendste bei der KSK Euskirchen. Aus diesem Grund überreichte der damalige Vorstand der Familie ein Präsent. Bild: Archiv KSK
 

„Als ich im November vergangenen Jahres den Wochenspiegel durchblätterte, habe ich ziemlich blöd geguckt“, erinnert sich Ute Reder, „genau dasselbe Bild, wie es in der Zeitung abgedruckt war, gab es auch bei uns zu Hause.“ Und als sie dann las, dass ihr Sohn Uwe gesucht wurde, setzte sie sich hin und schrieb an Udo Becker einen langen Brief.

„So erfuhr ich, dass der von uns gesuchte Uwe ein besonderes Schicksal durchgemacht hatte“, berichtet Udo Becker jetzt bei einem Besuch der Familie Reder in Kommern, bei dem ihn Vorstandsmitglied Holger Glück begleitete: „Seine Mutter schrieb mir einen herzerwärmenden Brief, und ich habe mich gefreut, dass sie sich bei uns gemeldet, ja mehr noch, dass sie gegen einen Besuch von uns nichts einzuwenden hatte. Sie schrieb, dass ihr Sohn Uwe sich sogar darüber freuen würde. Und so sind wir heute hier.“

18 Jahre nachdem das Foto in der damaligen Filiale der Kreisparkasse in Kommern gemacht worden war, am 10. September 1986, hatte Uwe Reder einen schweren Unfall. Es war erst sein zehnter Ausbildungstag in einem Betrieb für Werkzeugmaschinenbau, als er mit dem Firmenwagen bei Rheinbach-Flerzheim von der Straße abkam und gegen einen Baum krachte. Seither ist im Leben der Reders alles anders geworden. Der junge Mann erlitt damals Gehirnblutungen, eine Lungenquetschung, zahlreiche Brüche und fiel in ein monatelanges Koma. Die Ärzte hatten ihn eigentlich schon aufgeben. Nicht aber seine Eltern, die jeden Tag an seinem Bett saßen und mit ihm sprachen, bis er eines Tages die Augen öffnete. Von nun an befand sich ihr Sohn in einem Wachkoma, aber ob er sie hören und verstehen konnte, wussten sie lange Zeit nicht.

 

Uwe Reder lag nach einem Unfall im 18. Lebensjahr fünf Monate im Koma und brauchte drei Jahre Behandlung in Krankenhäusern und Reha, ehe er wieder nach Hause kommen konnte. Heute arbeitet er bei den Nordeifel-Werkstätten in der Produktion. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

 

Uwe magerte von 80 auf 40 Kilogramm ab, wurde zunächst heimatnah untergebracht, dann kam er nach Bad König in ein Pflegeheim für Schwerstbehinderte. Die Eltern gaben nicht auf, redeten und redeten. „Und eines Tages sagte mein Sohn »Guten Morgen« zu mir“, berichtet Ute Reder. Im Juni 1987 wurde Uwe für zweieinhalb Jahre in die Klinik nach Langensteinbach bei Karlsruhe verlegt, wo er weitere Fortschritte machte. „Es gab allerdings auch immer wieder Rückschritte. Manchmal schrie er nur, manchmal sprach er nur Englisch mit uns“, erzählt die Mutter. Im Juni 1988 ging es dann erstmals wieder zurück nach Kommern ins Elternhaus. Uwe saß in einem Rollstuhl, die Beine angewinkelt. Er war nicht in der Lage, sie zu strecken, und schrie bereits auf, wenn man nur eine Hand in die Nähe seiner Knie hielt. Gemeinsam mit dem Mechernicher Krankengymnasten Joseph Ophelders versuchten Ute und Toni Reder, die Beine ihres Sohnes wieder zu strecken. Ein schmerzhafter, aber notwendiger Prozess.

Ein Jahr später ging es wieder nach Langensteinbach für eine weitere Operation. „Ich weiß nicht mehr, wie oft wir die 660 Kilometer hin und zurück gefahren sind“, erinnert sich Toni Reder, während er in alten Fotos blättert, die den langen Leidensweg der Familie minutiös dokumentieren. „Aber wir haben die Hoffnung nie aufgegeben und dafür gekämpft, dass Uwe eines Tages den Rollstuhl nicht mehr brauchen wird.“

Ende 1989 in Kommern wurde die Krankengymnastik nochmals intensiviert. Und dann am 21. März 1990 stand Uwe plötzlich hinter seinem Rollstuhl. Und fünf Monate später konnte er sich bereits an Krücken fortbewegen. Es folgten viele weitere Therapien. „Ich bin regelmäßig mit ihm zum Schwimmen gefahren und habe ihn so manches Mal in Mechernich den 375 Meter hohen Altusknipp hochgejagt“, berichtet Toni Reder. Die Mühen und Strapazen waren erfolgreich: Heute kann sein Sohn wieder laufen und sprechen. Er hat von dem Unfall Spastiken und eine linksseitige Lähmung zurückbehalten und sein Kurzzeitgedächtnis lässt ihn im Stich. Auf die Frage, wie sie als Eltern das alles durchgestanden haben, sagen die beiden: „Mit Glauben und Geduld. Man darf halt nie den Mut verlieren.“

Uwe Reder sagt: „Ich arbeite heute in der Verpackungsabteilung der Nordeifelwerkstätten in Zingsheim.“ Dort fühle er sich zu Hause und habe viele neue Kollegen gefunden. Denn die alten Freunde aus seiner Jugendzeit seien alle nach und nach aus seinem Leben verschwunden.

„Er kann sich an Dinge von früher sehr gut erinnern, aber wenn ich ihn frage, wo wir zuletzt im Urlaub waren, dann weiß er es nicht“, meint Vater Toni. Doch Uwe lacht nur und sagt: „An der Mosel“, und er hat Recht.

 

Uwe Reder (Mitte) erhielt von KSK-Vorstandsvorsitzenden Udo Becker (links) und KSK-Vorstandsmitglied Holger Glück (rechts) ein gefülltes Sparschwein zum Geburtstag. Gemeinsam mit seinen Eltern, Toni und Ute Reder, freute er sich über den Besuch. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
 

Als Udo Becker und Holger Glück Uwe Reder nachträglich zum 50. Geburtstag beglückwünschen und ihm ein rotes Sparkassenschwein, angefüllt mit 500 Euro, überreichen, freut und bedankt er sich herzlich. Und dann wird im Wintergarten das Foto von 1968 nach einem halben Jahrhundert noch einmal nachgestellt: Der, wenn auch deutlich verjüngte Vorstand der KSK Euskirchen, überreicht Toni, Ute und Uwe Reder ein Präsent. „Aber auf den Arm nehmen, wie vor 50 Jahren, kann ich Uwe heute nicht mehr“, sagt Ute Reder und lacht.

Eifeler Presse Agentur/epa

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Kommentare


Markus Kleinhuber schreibt am 26.01.2019 um 17:12 Uhr:

Eine nette und einfühlsame Geschichte. Sehr gut geschrieben.