Krimifestival startete mit Dreifach-Lesung

Krimifestival startete mit Dreifach-Lesung

 

Ralf Kramp, Klaus Stickelbroeck und Peter Godazgar erteilten im S-Forum der KSK Euskirchen den Startschuss zum Krimifestival „Nordeifel Mordeifel“ – Jazz-Rock-Pop-Band des Landespolizeiorchesters NRW sorgte für mörderisch gute Begleitmusik

Euskirchen – Mit einer dreifachen Autorenlesung wurde am Samstagabend im S-Forum der Kreissparkasse Euskirchen der Startschuss für das Krimifestival „Nordeifel Mordeifel“ gegeben. Mittlerweile hat sich die KSK zu einem beliebten Tatort für literarische Serientäter gemausert. Nachdem man vor zwei Jahren dort eine mörderische Kirmes feierte, fand sich das S-Forum in diesem Jahr zu einem Gentlemen-Club mit schweren ledernen Sitzmöbeln und einem offenen Kamin verwandelt. Der Meister des schwarzen Humors, Ralf Kramp, hatte gleich noch zwei seiner Kollegen mit nach Euskirchen gebracht: den ehemaligen Düsseldorfer Polizeibeamten Klaus Stickelbroeck und den Ex-Zeitungsredakteur Peter Godazgar. Unter der charmanten Moderation von Radiosprecherin Susanne Edl plauderte das kriminelle Dreigestirn aus dem Nähkästchen und gewährte dem ausverkauften Haus Einblicke in die jeweilige nicht immer ganz ernstzunehmende literarische Arbeitsweise.

Landrat Markus Ramers (links) las gemeinsam mit Peter Godazgar aus „Sein größter Fan“. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Landrat Markus Ramers (links) las gemeinsam mit Peter Godazgar aus „Sein größter Fan“. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Es ist bekanntlich eine alte Polizeiweisheit, dass Täter gern an den Tatort zurückkehren. Und daher war an diesem Abend auch die ehemalige Leiterin der Kreiswirtschaftsförderung, Iris Poth, in die Kreisstadt geeilt. Zwar weilt sie schon im Ruhestand, hatte aber an der Vorbereitung der nunmehr achten Krimitage wesentlichen Anteil. „Ohne sie würde es dieses Krimifestival nicht geben“, lobte Susanne Edl Iris Poth, die zusammen mit dem verstorbenen Kulturreferenten Klaus Ring die Ideengeberin der Krimitage im Kreis Euskirchen gewesen war.

Ralf Kramp berichtete von einer mehr als schrägen Seebestattung. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Ralf Kramp berichtete von einer mehr als schrägen Seebestattung. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

DNA der Kreissparkasse

Mit in die Talkrunde hatte es auch KSK-Vorstand Daniel Ruland und Landrat Markus Ramers verschlagen. Ruland freute sich, dass das S-Forum bis auf den letzten Platz gefüllt war, und unterstrich, dass es zur DNA der Kreissparkasse gehöre, solche Veranstaltungen zu unterstützen. „Ziel ist es dabei, dass unsere Region und unser Kreis lebenswert bleiben“, so Ruland, der sich als Liebhaber nordischer Krimis outete.

Landrat Markus Ramers betonte hingegen, dass seine Literatur überwiegend aus „trockenen Verwaltungsvorlagen“ bestehe. Zuletzt habe er die Gereon-Rath-Romane von Volker Kutscher gelesen. Damit der Landrat in Sachen Krimiliteratur nicht zu kurz kam, lud Peter Godazgar ihn ein, die Textpassagen des Landrats in seiner Kurzgeschichte „Sein größter Fan“ zu lesen, was Ramers mit Bravour erledigte. Godazgar erzählte in dieser Geschichte von Ludwig Faßbender, dem angeblich größten Sohn Euskirchens und seines Zeichens Autor von Thrillern, deren Titel das Publikum immer wieder auflachen ließ, wie etwa: „Sie werden dich finden“, „Bis sie dich finden“, „Sie dürfen dich nicht finden“, bis hin zum Arbeitstitel des neuesten Romans: „Ich suche dich solange, bis du mich gefunden habe wirst“. Doch der berühmte Romancier besitzt leider auch einige Fans, die ihre Gefolgstreue etwas zu ernst nehmen und damit beginnen, sich gegenseitig für ein paar schlechte Rezensionen auf Amazon zu meucheln.

Allerhand Probleme verschaffte Klaus Stickelbroeck der Aufbau eines schwedischen Möbelstücks namens Trulledull. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Allerhand Probleme verschaffte Klaus Stickelbroeck der Aufbau eines schwedischen Möbelstücks namens Trulledull. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Andere Probleme erlebte Klaus Stickelbroeck, nachdem er ins beschauliche Kronenburg gezogen war. Beim Versuch, im neuen Zuhause einen Schrank namens „Trulledull“ aus einem bekannten schwedischen Möbelhaus aufzubauen, machen ihm die vorbeidonnernden schweren Holzlaster aus Richtung Stadtkyll jedes Mal einen Strich durch die Rechnung. Aus diesem Grund fordert er professionelle Hilfe aus dem Möbelhaus an, die ihm auch in Form einer blonden weiblichen Fachkraft gewährt wird. Doch die Holzlaster machen auch der professionellen Aufbauhilfe zu schaffen und die ganze Aktion endet – wie sollte es auch anders sein – in einer Katastrophe.

Nahm die Autoren in ein strenges Verhör: Radiomoderatorin Susanne Edl. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Nahm die Autoren in ein strenges Verhör: Radiomoderatorin Susanne Edl. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Seebestattung

Mit einem letalen Ausgang endete auch Ralf Kramps Erzählung „Mutter bei die Fische“. Aus dem Versprechen eines Sohnes, seiner Mutter die gewünschte Seebestattung zu gewähren, wurde aufgrund der geizigen Ehefrau am Ende nur eine heimliche Bestattung in einem nachbarschaftlichen Naturteich, bevor die Geschichte dann aber auf den letzten Metern noch einmal einen Twist erhielt, mit dem der Altmeister des schwarzen Humors seine Zuhörer nach Hause schickte und der hier selbstverständlich nicht verraten wird. Sämtliche Geschichten und 18 weitere kann man in „Nordeifel Mordeifel 3“ nachlesen. Der Sammelband ist in jeder Buchhandlung zu haben.

Musikerprofis durch und durch: Die Jazz-Rock-Pop-Band des Landespolizeiorchesters NRW. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Musikerprofis durch und durch: Die Jazz-Rock-Pop-Band des Landespolizeiorchesters NRW. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Für das Gelingen des Abends zeichnete nicht zuletzt die Jazz-Rock-Pop-Band des Landespolizeiorchesters NRW unter der musikalischen Leitung von Hans Steinmeier verantwortlich. Die fünfköpfige Band zeigte sich von Michael Jacksons „Thriller“, über „Schirm, Charme und Melone“ bis hin zu James Bond „Skyfall“ – mit einem sensationellen Gitarrensolo – sämtlichen kriminellen Tonfolgen gewachsen.

Das S-Forum war bis auf den letzten Platz gefüllt. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Das S-Forum war bis auf den letzten Platz gefüllt. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Der Erlös des Abends kommt dem Verein miteinander regional e.V mit dem Hannah Hof in Zülpich zugute. Ein Euro des Eintrittsgeldes fließt zudem in das Projekt „Grüner Euro“ des Vereins Bergwaldprojekt, der Umweltschutzprojekte in der Nordeifel unterstützt.

KSK-Vorstand Daniel Ruland (rechts) freute sich über ein volles Haus im S-Forum. V.l.n.r.: Susanne Edl, Peter Godazgar, Klaus Stickelbroeck und Ralf Kramp. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

KSK-Vorstand Daniel Ruland (rechts) freute sich über ein volles Haus im S-Forum. V.l.n.r.: Susanne Edl, Peter Godazgar, Klaus Stickelbroeck und Ralf Kramp. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Noch bis zum 13. September stehen bei 14 weiteren Veranstaltungen literarischer Mord und Totschlag auf dem Programm. Von der klassischen Lesung über kriminelles Tafeln bis hin zur tierischen Familienlesung ist alles dabei. Die Organisatoren, die Nordeifel Tourismus GmbH und der Förderverein Eifelmuseum Blankenheim e.V., erwarten zur achten Ausgabe des neuntägigen Festivals insgesamt mehr als 1.000 Krimifans. Bis auf wenige restliche Karten ist das Festival ausverkauft.

Weitere Infos unter: www.nordeifel-mordeifel.de

Eifeler Presse Agentur/epa